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Zweiländerfrankatur

Die Zweiländerfranktur ist eine besondere Art der Mischfrankatur. Darunter versteht man die Verwendung von Postwertzeichen zweier Postverwaltungen auf einer Postsendung.

Bekannte Beispiele aus der Olympiaphilatelie sind die Belege von der Olympiafahrt des LZ 129. 

Hierbei muss unterschieden werden, ob es sich um so genannte Vertragsstaatenpost handelte oder nicht. War dies der Fall, so erübrigte sich eine (deutsche) Zusatzfrankatur. Gelegentlich wurde sie dennoch angebracht.  


Ein aktuelleres Beispiel für Zweiländerfrankaturen sind die Olympiaflüge bzw. Grußflugposten der AUA. Hier war eine österreichische Frankatur bei offener Einsendung über das Flugpostauswechslungamt  A-1010 Wien vorgeschrieben.   

 

In diesen beiden Fällen waren die Postverwaltungen beide Mitglied des Weltpostvereins UPU. Vor allem postgeschichtlich interessant wird es, wenn die Aufgabe bei einem privaten Briefdienst vorgenommen wird.

Brief in das Olympische Dorf in Athen, aufgegeben beim privaten Postdienstleister OLYMP-POST in Rostock, über den global tätigen Briefdienst SPRING - damals einem Unternehmen der staatsnahen, wenn auch z.T. privatisierten Postverwaltungen TNT/TPG, Royal Mail und Singapore Post - dann in Schiphol in den Poststrom eingespeist. Der Port Payé-Stempel der niederländischen Post TPG bestätigt der empfangenden Postverwaltung die Bezahlung der Dienstleistung.   

Luftpostbrief für den Olympiaflug ab Wien, abgesandt vom privaten Briefdienst RIDAS in Rostock, über SPRING in Southall/GB durch die Royal Mail in den Poststrom eingespeist und über Wien nach Vacouver befördert  (hier erfolgt die "Postage Paid"-Bestätigung durch die Royal mail Großbritanniens)


Und schließlich sei auch auf die Übergangsperiode im Zuge der deutschen Einheit hingewiesen, als in einem begrenzten Zeitraum Marken der alten BRD, Westberlins und der DDR auf Postsendungen gemeinsam verwendet werden konnten. Der Verwendungszeitraum der alten, vor dem 1.7.1990 herausgegebenen DDR-Marken endete mit dem 3. Oktober 1990. Danach durften nur noch die Ausgaben in DM-Währung (DEUTSCHE POST) verklebt werden.  

Einschreibbrief vom Juni 1991 mit dem Sonderstempel vom traditionellen "Olympischen Tag" -  zwar war das Land seit dem 3. Oktober 1990 vereinigt, doch durften noch bis 31.12.1991 die Marken in DM-Währung der drei davor agierenden Postverwaltungen genutzt werden: Deutsche Bundespost, Deutsche Post und Deutsche Bundespost Berlin.   

Ganzsache der deutschen Post der DDR (DM-Nominale) mit privatem Zudruck zur ersten HANSE SAIL in der Aufbrauchszeit mit Zusatzfrankatur der Deutschen Bundespost als innerdeutsche Erstflugpost  

 


Zweiländerfrankturen waren üblich beim Gebrauch der Antwortkarten für den internationalen Verkehr,  wo Zusatzleistungen - z.B. Luftpost und Einschreiben - mit Marken in der nationalen Währung des Rücksendelandes abgedeckt werden mussten. Diese Methode der Beschaffung von Stempeln war besonders unter Polar- und Aerophilatelisten devisenarmer Länder populär, wobei aus Kulanz meist auf die entsprechende Zusatzfrankatur in der Währung des Rücksendelandes verzichtet und jene mit Marken des Absendelandes akzeptiert wurde.

Zeppelin

Mit dem Flug des LZ 129 am 1. August 1936 erfolgte die erste offizielle Luftpostbeförderung zu Olympischen Spielen. Luftpost von Olympischen Spielen gab es schon vorher, jedoch keine offiziell zu Olympischen Spielen angekündigte und den Sammlern allgemein zugängliche. 

Der Flug des LZ 129 von Frankfurt bis hoch zur Ostsee und dann über dem olympischen Berlin zurück nach Frankfurt markiert für viele damit den Start der Olympialuftpost, auch wenn dies nicht ganz exakt ist. 

Die Olympischen Ringe auf seinem Rumpf - auf Geheiß des Reichspropagandaministeriums aufgebracht - machten das LZ 129 ab seiner ersten Postfahrt am 23.3.1936 zu einem Olympiabotschafter.

 

So warb das LZ 129 bei seinen Fahrten nach Nord- und Südamerika für die Olympischen Spiele in Berlin.

Brief von der 1. Nordamerikafahrt: Am Bordpostamt lagen die Olympiamarken vor, erstmalig am Ersttag dort verwendet. Da die Fahrt schon vorher begann, waren die Marken schon im Voraus an Bord geliefert worden.

Viele postalische Besonderheiten faszinieren die Sammler bis heute.

 

The journeys of the Zeppelin LZ 129 can be seen in the year 1936 as Olympic propaganda tours. Since its first postal trip in March 1936 the Zeppelin has been decorated with the Olympic rings. Although airmail from Olympic Games is known from former Olympics, the Olympic flight at August 1st, the opening day of the Olympics, is often seen as the starting point for Olympic airmail as this flight was officially announced and accessible for collectors' mail.

There are a lot of postal specialties which make this flights very attracting for collectors. 

By the way: In German language a Zeppelin doesn't fly, he does a journey. That's why it is named in German OLYMPIAFAHRT and not OLMPIAFLUG. 

 

 

Zwangszuschlagsmarke

Unter einer Zwangszuschlagsmarke versteht man eine (Brief-)Marke, die zusätzlich zur üblichen Frankatur auf die Postsendungen geklebt werden muss. 

1928-portugal-zuschl1928 forderte die portugiesische Post, während der so genannten Olympischen Tage vom 22.-24. Mai alle Postsendungen mit einer Zwangszuschlagsmarke von 15 C zu versehen. Geschah dies nicht, wurde mit einer Portomarke eine Nachgebühr von 30 C erhoben und quittiert.
Sowohl bei der Porto- als auch der Zwangszuschlagsmarke handelt es sich um die ersten Briefmarken, auf denen die Olympischen Ringe abgebildet sind! Ein zsätzlicher Olympiabezug wird durch das Wort AMSTERDAO hergestellt, den Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1928.

 

 

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Briefe mit den Portomarken von 1928 gehören zu den Besonderheiten der Olympiaphilatelie (ex Sammlung Vic Manician)

Aus späterer Zeit sind in der Olympiaphilatelie mehrfach Zwangszuschlagsmarken aus Jugoslawien bekannt. In diesem wie auch im Falle Portugals dienten sie dazu, die Entsendung und Vorbereitung der Olympiamannschaften zu unterstützen.

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Zwischenspiele / Intercalated Games ATHEN 1906

1901 beschloss das IOC aufgrund eines Antrages der deutschen Mitglieder, aber auf Wunsch der Griechen, eine zweite Reihe Olympische Spiele jeweils in der Mitte der Olympiade in Athen durchzuführen. 1906 fanden mit großem Erfolg die zweiten Internationalen Olympischen Spiele in Athen statt, die später vom IOC als Zwischenspiele abgewertet wurden. Zu den dritten für 1910 wurde noch eingeladen. Sie fielen aber wegen kriegerischer Auseinandersetzungen im Balkangebiet ebenso aus wie die vierten 1914.

Die Internationalen Olympischen Spiele Athen 1906  hatten eine große Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Idee Olympischer Spiele und haben in der Geschichte de facto einen höheren Stellenwert als die Spiele in PARIS 1900 und ST. LOUIS 1904, beide eigentlich nur Randerscheinungen im Umfeld von Weltausstellungen. Eine offizielle Anerkennung durch das IOC blieb ihnen allerdings versagt, auch wenn die Position führender Olympiahistoriker nahezu eindeutig ist.

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Philatelistisch lassen sich die Olympischen (Zwischen-)Spiele 1906 je nach Standpunkt belegen - mit den  ersten drei Olympia-Sonderstempeln oder nur mit deren Vorläufern aus dem Olympia-Umfeld. Die Stempel waren schon früh von Fälschern als lohnendes Objekt erkannt worden - so ist nur der abgebildete AKROPOLIS-Stempel echt, bei den beiden anderen (STADION, ZAPPEION) handelt es sich um Fälschungen.  Es lohnt sich also, zur Fachliteratur zu greifen!

Darüber hinaus - noch wesentlicher - gab es eine Serie mit Olympia-Briefmarken- vierzehn Stück an der Zahl.

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Die Olympiaausgaben von 1896 und 1906 gehören zu den attraktiven Ausgaben - auch für Fälscher (60 Lepta-Wert).

ZAPPEION

 Das ZAPPEION - eine vom griechischen Freiheitshelden, Kaufmann und Mäzen Evangelos Zappas (Ευαγγέλης Ζάππας) finanzierte Ausstellungshalle - wurde bei den

  • Olympischen Spielen 1896 als Wettkampstätte für die Fechter,
  • Internationalen Olympischen Spielen Athen 1906 für die Unterbringung von Sportlern (Olympisches Dorf)  und als Austragungsort für die Fechtwettkämpfe,
  • Olympischen Spielen 2004 als kleines Medienzentrum

genutzt.

Philatelisten können die Nutzung des ZAPPEION bei den Olympischen Spielen 1896 nur indirekt (mit Stempeldaten) dokumentieren.

Die II. Internationalen Olympischen Spiele Athen 1906, vom IOC später als Zwischen-Spiele 1906 abgewertet, hatten eine große Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Idee Olympischer Spiele und haben in der Geschichte de facto einen höheren Stellenwert als die Spiele in PARIS 1900 und ST.LOUIS 2004, beide eigentlich nur Randerscheinungen im Umfeld von Weltausstellungen. Eine offizielle Anerkennung durch das IOC blieb ihnen allerdings versagt, auch wenn die Position führender Olympiahistoriker nahezu eindeutig ist.

Philatelistisch lassen sich die Olympischen (Zwischen-)Spiele 1906 je nach Standpunkt belegen - mit einem der ersten drei Olympia-Sonderstempel  oder nur mit einem Vorläufer aus dem Olympia-Umfeld.  

Schon frühzeitig traten Fälscher auf den Plan.

 

 

echter Stempel ZAPPEION
correct postmark

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Falschstempel
forgery / faked postmark

 

(Bildvorlagen: Klaus Fink)

 

 


Zu den Olympischen Spielen 2004 fungierte das ZAPPEION als kleines Medienzentrum für akkreditierte Journalisten, die nicht über die sportlichen Ereignisse berichteten.

Es führte einen  Sonderstempel und bot auch für ATM-Sammler etwas. Zwei Automaten wurden für die Olympischen Spiele von regulären Postämtern in Sonderpostämter (Olympisches Dorf und ZAPPEION) verbracht.  Der Automat im Olympischen Dorf war defekt, der Einsatz im kleinen Pressezentrum im Zappeion-Palast mit seiner olympischen Vorgeschichte (1896 und 1906) verlief dagegen problemlos.

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Auslandsexpress-Brief mit portogerechter ATM- Einzelfrankatur in korrekter Farbe  und dem Olympia-Sonderstempel - auch wenn er wie fast alle griechischen Sonderstempel zu ATHEN 2004 nicht die Olympischen Ringe im Stempelbild zeigt  

Web-Zappeion2

Ein kleines Problem wurde behoben. Zunächst erschien im Quittungsausdruck noch der alte Standort (Aigaleo), der dank aufmerksamer Postangestellter aber noch angepasst wurde. Damit entstand ein interessanter Olympia-Postbeleg, auch wenn er nichtphilatelistischer Natur ist.

 

Quittungsbelege aus dem PRIMETEC–Automaten im Zappeion Presscenter

 


Zum 100-jährigen Jubiläum der Olympischen Spiele fand im Frühjahr 1996 eine Festveranstaltung im ZAPPEION sttatt, zu der auch eine Internationale Briefmarkenausstelllung gehörte.  Die griechische Post bedachte dieses Ereignis mit attraktiven Marken (Blöcke mit Reproduktionen alter griechischer Olympiamarken), einer Sonderstempelserie zu Ehren der Olympiasieger von 1896 aus verschiedenen Nationen und mit FRAMA-Sonder-ATM. 

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Sonder-ATM aus den FRAMA-Maschinen von der Ausstellung, hier genutzt für eine Ableitung anlässlich des Transports der Olympischen Flamme per Flugzeug nach Los Angeles, dem Startort für den Fackellauf nach Atlanta

2012 war das Zappeion Treffpunkt für Olympiasammler aus aller Welt. Hier wurde am 17. Mai die Olympic Collectors Fair eröffnet. Am gleichen Tag fand im alten Olympia-Stadion die Übergabezeremonie des Olympischen Feuers an die Organisatoren der Sommerspiele LONDON 2012 statt. 

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Sonderstempel für die 18. World Olympic Collectors Fair mit der von der griechischen Post aufgelegten personalisierten Sondermarke für den Olympischen Fackellauf des Jahres 2012

 

 

 

Das ZAPPEION -
wahrlich nicht irgendeine Ausstellungshalle für die Olympia-Sammler!